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STEILLAGENWEINBAU - EUROPÄISCHE FACHTAGUNG AUF DER INTERVITIS IN STUTTGART - 28. November 2016


	
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Unter der Überschrift „Hat der Weinbau in Steillagen und auf Terrassen eine Zukunft?“, stand die in Stuttgart vom Deutschen Weinbauverband e.V. (DWV) und dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) in Ko­operation mit der Versammlung der Europäischen Weinbauregio­nen (AREV) durchgeführte Fachtagung. Diese Tagung, zu der etwa 90 Experten aus Weinbau und Politik aus ganz Europa angereist waren, bildete ein Highlight des 62. Deutschen Wein­baukongresses, der gemeinsam mit der vom 27. bis 30. November auf der Landesmesse Stuttgart veranstalteten interna­tionalen Technologiemesse für Wein, Saft und Sonderkulturen, INTERVITIS INTERFRUCTA HORTITECHNICA, stattfand.

STEILLAGENWEINBAU


EUROPÄISCHE FACHTAGUNG AUF DER INTERVITIS IN STUTTGART

28. November 2016

 

Unter der Überschrift „Hat der Weinbau in Steillagen und auf Terrassen eine Zukunft?“, stand die in Stuttgart vom Deutschen Weinbauverband e.V. (DWV) und dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) in Ko­operation mit der Versammlung der Europäischen Weinbauregio­nen (AREV) durchgeführte Fachtagung. Diese Tagung, zu der etwa 90 Experten aus Weinbau und Politik aus ganz Europa angereist waren, bildete ein Highlight des 62. Deutschen Wein­baukongresses, der gemeinsam mit der vom 27. bis 30. November auf der Landesmesse Stuttgart veranstalteten interna­tionalen Technologiemesse für Wein, Saft und Sonderkulturen, INTERVITIS INTERFRUCTA HORTITECHNICA, stattfand.

 

Die Deutsche Weinkönigin Lena Endesfelder, selbst Steillagen­winzerin im Anbaugebiet Mosel, übernahm sachkundig und char­mant die Moderation der Tagung. Die Grußredner Rolf Haxel, Präsident des Weinbauverbandes Mosel, sowie die Staatssekre­tärin im MLR, Frau Friedlinde Gurr-Hirsch, beleuchteten die we­sentlichen Probleme des Steillagenanbaus und nannten hierfür folgende wesentliche Ursachen: Ungünstige Betriebsgrößen­strukturen sowie eine Flurstückzersplitterung bei oftmals ungünstiger Erschließung und nicht ausgeschöpfter Rationalisie­rungsreserven, die zu einem viel höheren Arbeitsaufwand gegen­über Direktzuglagen führen. Zudem laufe der Absatz von Weinen aus Steillagen vielfach auf einem Preisniveau, das gemessen am Produktionsaufwand, viel zu niedrig ist. „Der Rückgang des Wein­baus in vielen Steillagengebieten zeigt, dass diese Weine aus Kostengründen am globalisierten Weinmarkt häufig nicht wett­bewerbsfähig sind. Aber nicht nur Brüssel ist gefordert, auch in den Regionen muss eine größere Akzeptanz für die Steillagen­förderung erreicht werden. Deshalb arbeiten wir auch in Baden-Württemberg daran, eine Staatsbeihilfe zur Unterstützung der Handarbeitslagen zu schaffen. Vorgesehen ist ein jährlicher Zu­schuss von 3.000 Euro pro Hektar.“, sagte Staatsekretärin Gurr-Hirsch.

 

Ein Themenschwerpunkt der Tagung bildeten daher die technolo­gischen Entwicklungen im Steillagenweinbau. Sie sind ein ent­scheidender Faktor, um den Steillagenweinbau wettbewerbsfähi­ger zu machen und damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der wertvollen, landschaftsprägenden Kulturlandschaften zu leisten.

 

Nach einer Darstellung der Entwicklungen im Europäischen Steil­lagenweinbau durch den Präsidenten der Weine des Dourotals in Portugal wurden in drei sehr interessanten Fachbeiträgen neue technologische Entwicklungen im Steillagenweinbau vorgestellt. Diese Vorträge beleuchteten die Möglichkeiten von technischen Erleichterungen beim Pflanzenschutz durch Einsatz unbemannter Spritzhubschrauber (Dronen) sowie bei der Ernte durch Einsatz neuer Steil­lagenvollernter im Steilhang oder bei der Blattanalyse und der Untersuchung der Bodenerosion. Hierin wurden technische Möglich­keiten aufgezeigt, um dem Steillagenweinbau eine Zukunft zu er­möglichen und eine Antwort auf sich verändernde Klimabedin­gungen zu geben.

 

Am ersten von zwei sich anschließenden sehr interessanten Round Table-Gesprächen beteiligten sich Vertreter von drei Domänen, die im spezifischen Marketing von Weinen aus Steillagen stark engagiert sind: Götz Reustle/Felsengartenkellerei/Besigheim, Roland Horvath/Wachau und Andrea Bianchi/Azienda Agricola Andreola. Sie befassten sich mit der Frage, wie die Konsumenten auf Steillagenweine im Markt reagie­ren, also nach deren Bereitschaft, den erhöhten Arbeitsaufwand bei der Produktion der Weine durch Zahlung auch angemessener Preise zu honorieren.

 

Thema der zweiten Gesprächsrunde, an der außer Friedlinde Gurr-Hirsch, Rolf Haxel sowie Peter E. Eckes als Vertreter des Regionalmarketings der Luxemburger Aly Leonardy, 1. Vizepräsident der AREV, teilnahm, deren ad-hoc-Kommission eine starke Resolution erarbeitet und im Juni d.J. an Kommissar Hogan überreicht hat, war die umfassende Fragestellung, ob der Erhalt der Kulturlandschaften auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist.

 

Als Fazit der Tagung ist festzuhalten: Ohne eine Optimierung der Steillagenbewirtschaftungstechnik und ohne gezielte neue und kreative Marketingmaßnahmen, die die Bereitschaft der Konsu­menten wecken, Steillagenweine mit angemessenen Preisen zu honorieren, sowie ohne die Einbindung in ein regionales Gesamtkonzept wird der Steillagenweinbau auf Dauer keine Überlebenschance haben. Mit einem Wort gesagt, können Fördergelder zwar Impulse setzen, aber nachhaltig ist die Mobilisierung aller Kräfte in gesellschaftlicher Solidarität als wesentliches Ele­ment für den Erhalt des Steillagenweinbaus.