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Rede von Jean-Paul BACHY - Mittwoch, den 7. November 2012
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Liebe Freunde,

das heutige Ereignis ist eine wichtige Etappe der erforderlichen Mobilisierung gegen die Aufhebung der Pflanzrechte. Anlässlich des letzten internationalen AREV-Kongresses in Turin am 11. Mai 2012 hatte ich den Vorschlag unterbreitet, diese Aktion zu organisieren. Natürlich haben wir nicht auf diesen Herbst gewartet, um unsere Position auf allen Ebenen bekanntzumachen. Auch auf regionaler und nationaler Ebene wurden Initiativen in diesem Sinne eingeleitet. Aber die Mitglieder der AREV haben einhellig ihrer Meinung Ausdruck verliehen, dass diese individuellen Maßnahmen in einer kollektiven Maßnahme im am besten geeigneten und folglich im europäischen Maßstab münden sollten. Diese Etappe wird heute eingeleitet und ich danke Ihnen, dass Sie unserem Aufruf gefolgt sind. Ich danke auch unseren Freunden aus Bayern, die uns am heutigen Morgen in Empfang genommen haben und sich mit uns mobilisieren. Ich danke Ihnen allen. Sie sind die Vertreter von 40 Regionen aus 13 Ländern. Sie sind Vertreter des Berufsstands, aber wir haben für heute entschieden, das Wort zuerst den Politikern zu geben. Sie, liebe Kollegen, sind die Präsidenten bedeutender Weinbauregionen, und die Vertreter des Berufsstands stehen Ihnen zur Seite. Die AREV ist der einzige internationale Verein, der politische Volksvertreter und berufsständische Vertreter unserer Weinberge gleichberechtigt vereint. Sie sind hier, um das zu bekräftigen. Manch einer ist von weither angereist. Ihnen möchte ich besonders danken, heute Morgen unbedingt bei uns sein zu wollen.

Sie haben Ihre Geschichte, Ihre eigenen Traditionen. Häufig unterschiedliche politische Sensibilitäten. Aber Sie alle wollen Ihre Verbundenheit mit einer Konzeption des Weinbaus zum Ausdruck bringen, die von der Kommission bestritten und in Frage gestellt wird. Ihre Technokraten versperren sich jedweden Argumenten. Die Bedingungen, unter denen die Arbeit der vom Generaldirektor für Landwirtschaft geleiteten hochrangigen Arbeitsgruppe durchgeführt wird, belegen dies. Die beste Antwort auf diese Blockierung ist unsere Aktion und unsere Geschlossenheit.

Dabei geht es nicht nur um den Schutz kategorieller Interessen, sondern auch und vor allem um die Förderung der Zukunft unserer Regionen. Neben den zehntausenden Winzerbetrieben gibt es in unseren Regionen auch zehntausende Arbeitsplätze in damit verbundenen Berufen und Aktivitäten, im Tourismus, im gastronomischen Bereich, in der Umwelt, in der Ausbildung. Sie sind heute bedroht. Und auch die Verbraucher sind von dieser Debatte betroffen, da dem Verbraucher mit der Verbindung der Qualität eines Weines und seines Terroirs eine vollkommene Rückverfolgbarkeit garantiert wird. Zu wissen, was man verzehrt, heißt in erster Linie zu wissen, woher das Produkt kommt und wie es hergestellt wurde. Damit wird dem Weinbau die Möglichkeit gegeben, seine Produktionstechniken zu verbessern und den Rückgriff auf chemische Behandlungen einzuschränken. Auf diese Weise werden Umweltschutz, Verbraucherschutz und Förderung der Qualität als Hauptverkaufsargument unserer Weine in der Welt sinnvoll in Einklang gebracht, die, wie an dieser Stelle nochmals erinnert werden soll, für Europa im Export 7 Milliarden Euro ausmachen, was keineswegs unwesentlich ist.

Die Verbundenheit unserer Regionen mit ihren Anbaugebieten ist kein Dogma der Vergangenheit. Sie ist der Schlüssel der Zukunft. Die Kommission in Brüssel versucht, uns zu spalten, indem sie um unsere Weinberge eine unaufrichtige Debatte schürt, zwischen den Erzeugern, denen sie gelegentlich eine defensive Haltung vorwirft, und den Vermarktern, die nach ihrer Meinung den internationalen Märkten offener gegenüberstehen und eher zu Produktionssteigerung neigen. Die von der AREV angeregte Studie von Prof. Montaigne belegt, dass die Regulierung der Pflanzrechte Marktanpassungen in keiner Weise behindert. Sie zeigt im Gegensatz auf, dass der Markt in anderen Ländern, in denen keine Regeln vorgegeben sind, wie beispielsweise Australien, zusammenbricht. Die Weinstöcke müssen gerodet werden und das Ende der kleinen und mittleren Betriebe wird eingeläutet.

Zweifellos wird es immer Interessenkonflikte zwischen Erzeugern und Vermarktern geben, die bereinigt werden müssen, aber die Regelung dieser Konflikte liegt bei ihnen. Wesentlich ist, dass die Beherrschung des Produktionspotentials nach dem 1. Januar 2016 grundsätzlich beibehalten wird. Ist dies nicht der Fall, wird dieser Debatte jedwede Grundlage entzogen. Es werden dann Weinberge ganz egal wo und ganz egal wie gepflanzt werden, und Weinbaugebiete überall in der Welt verlagert werden. Und die betroffenen europäischen Regionen werden dasselbe Schicksal erleiden wie die um ihre Arbeitsplätze und ihren Reichtum gebrachten Industriebecken.

Geschlossenheit und Mobilisierung sind folglich das Motto des Tages. Morgen müssen wir dann noch weiter gehen. Wir haben in anderen, ebenfalls von der Deregulierung bedrohten Landwirtschaftssektoren Verbündete. Die gesamte Agrarproduktion ist betroffen, denn was die Kommission für Wein machen möchte, ist auch denkbar für Obst und Gemüse oder andere Sektoren. Die nationalen und europäischen Berufsverbände waren für die Kommunikation über das heutige Ereignis wertvolle Helfer. Ich danke Ihnen für ihre Zusammenarbeit.

Andere Initiativen werden folgen. Unsere gemeinsame Front muss sich auch auf die Organisationen zur Verteidigung der Interessen der Verbraucher und die Umweltschutzverbände ausdehnen, da die einen wie die anderen unser Engagement für unsere Territorien aufmerksam verfolgen. Und wir können mit der Unterstützung unserer Regierungen und zahlreicher nationaler und europäischer Parlamentarier rechnen. Einige von ihnen sind hier. Ich grüße sie. Viele haben mir geschrieben, um uns ihre Unterstützung zuzusichern. Wichtig ist es nun, dass alle Regionen sich dieser Sache gemeinsam annehmen und über ihre Vielfalt hinaus mit einer Stimme sprechen. Nach den Redebeiträgen der hier anwesenden Präsidenten und Minister aus unseren Weinbauregionen werden wir eine gemeinsame Erklärung verabschieden. In enger Zusammenarbeit mit dem Präsidenten des CEPV (Europäischer Rat der Weinfachleute), Aly Leonardy (Luxemburg), und seines Vizepräsidenten Ettore Ponzo (Italien) erarbeitet, übernimmt diese Erklärung sämtliche Argumente und die Thesen, die von den politischen und berufsständischen Vertretern im Verlauf aller Sitzungen und Besprechungen in den vergangenen fünf Jahren einhellig bekräftigt wurden. Diese Erklärung wird der Europäischen Kommission, den Regierungen der Mitgliedsstaaten, dem Europäischen Rat der Landwirtschaftsminister, den europäischen und nationalen Parlamentariern… und natürlich den Mitgliedern der AREV, den Berufsverbänden, den Journalisten zugesandt, deren massive Präsenz ich hier begrüße.

Sie wird folglich umfassend verteilt.

Wir werden die Reaktion des Kommissars auf unseren Vorstoß und auf die abschließenden Vorschläge der hochrangigen Arbeitsgruppe im Dezember aufmerksam verfolgen.

Wir unterstützen sämtliche Maßnahmen zugunsten der Beibehaltung des Pflanzrechtesystems und behalten uns vor, breiter angelegte Aktionen zu organisieren.

Unsere Mobilisierung bleibt mehr denn je erforderlich!