Sie sind hierStartseite > Résolutions > ALBA IULIA (Alba - 04/09/2007)
ALBA IULIA (Alba - 04/09/2007)
Traductions disponibles : [ fr ] [ es ] [ en ] [ it ] [ ro ] [ pt ] [ el ] [ bg ] [ cs ] [ hu ] [ sl ]


INTERNATIONALER RAT DER AREV

Alba Iulia / Alba / Rumänien

3.-5. September 2007

Stellungnahme der AREV zur Reform der Weinmarktordnung

RESOLUTION

Die AREV hat den von der EU-Kommission am 4. Juli d.J. vorgelegten Entwurf zur Überarbeitung der Weinmarktordnung begutachtet. Sie muss feststellen, dass die Vorschläge zur Neuordnung des Sektors, welche von den politischen und berufsständischen Vertretern der rund 65 Mitgliedsregionen einstimmig beschlossen wurden, bisher von der Kommission kaum berücksichtigt worden sind. Deshalb muss die AREV den vorliegenden Entwurf ablehnen und fordern, dass die politischen Entscheidungsträger maßgebliche Verbesserungen vornehmen. Dies um so mehr, als auch die Reaktionen der weinerzeugenden Mitgliedstaaten mehrheitlich ablehnend sind.

Nur dann kann der Sektor wieder jene Dynamik und Wettbewerbskraft erhalten, die er im europäischen und internationalen Wettbewerb braucht.

Die AREV unterstützt den Ansatz der Kommission, die Verantwortung für die Gestaltung des Weinmarkts teilweise den Beteiligten auf der regionalen und nationalen Ebene zu übertragen und somit ein von Subsidiarität gekennzeichnetes Modell zu schaffen, das maßgeblich auf die Eigenverantwortung der Regionen setzt.

Allerdings sind die Maßnahmen, die im Rahmen des nationalen Finanzrahmens gefördert werden können, unzureichend. Die AREV setzt sich dafür ein, dass das bisherige Umstrukturierungsprogramm um Maßnahmen zur Verbesserung der Erfassungs- und Vermarktungsstrukturen, des Qualitäts- und des Krisenmanagements erweitert werden soll.

Einige von der heutigen Weinmarktordnung vorgesehene Maßnahmen zur Bewältigung konjunktureller Überschüsse verfehlen ihr eigentliches Ziel und verursachen zum Teil strukturelle Probleme am Markt. Die AREV unterstützt das Ansinnen der Kommission, die Destillationsmaßnahmen weitgehend zu reformieren.

Zur Bewältigung echter konjunktureller Überschüsse (Krisenmanagement) verlangt aber die AREV, dass im nationalen Finanzrahmen Destillationsmaßnahmen weiterhin vorgesehen bleiben, welche aber nur dann zur Anwendung gelangen dürfen, wenn außergewöhnliche Marktsituationen und/oder Witterungs-verhältnisse dies erfordern.

Auch muss dem Bedarf der Produzenten von mit Alkohol angereicherten Weinen (Porto, Jerez, Madeira usw.) weiterhin Rechnung getragen werden.

Die AREV unterstreicht auch die Wichtigkeit der bestehenden Regelungen zur Beseitigung der Nebenprodukte als Bestandteil der Qualitätserzeugung.

Die AREV spricht sich erneut für eine regional verantwortete Beherrschung der Erträge aus, um die Weinüberproduktion in Europa zu drosseln und dabei die Qualität zu steigern. Damit würde in Zusammenarbeit mit den berufsständischen Organisationen ein effizienter Beitrag zur Marktentlastung geleistet.

Die AREV ist der Meinung, dass die Grünlese hierfür der falsche Ansatz ist. Diese Maßnahme ist unkontrollierbar und ermöglicht nicht, schnell auf Marktkrisen und Überschüsse am Weinmarkt zu reagieren.

Für eine bessere Kenntnis der Produktions- und Marktdaten kann es sich die EU nicht ersparen, sich mit einem Kennzahlen-Erfassungssystem des europäischen Weinbaus auszustatten. Die AREV fordert daher erneut die Schaffung einer europäischen Beobachtungsstelle, die sich auf Vernetzung der existierenden regionalen Einrichtungen stützt.

Die AREV bekräftigt außerdem ihre Position zu folgenden Punkten der Reform:

Rodung

Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat bewiesen, dass in einem offenen Markt (kommunizierende Röhren) das Gleichgewicht nicht durch die Reduzierung des Produktionspotenzials, sondern durch die Qualitätsverbesserung des Produkts und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe erreicht werden kann.

Die bedeutenden Summen, die für die Rodung vorgesehen sind, werden für die positiven Maßnahmen zur Verbesserung der Struktur und der Wettbewerbsfähigkeit dem Budget fehlen. Sie stehen in einem eklatanten Missverhältnis zu den vorgesehenen Absatzförderungsbeihilfen. Die AREV spricht sich gegen eine Modulierung der Höhe der Rodungsprämien in Abhängigkeit vom Ertrag aus, weil damit jene Erzeuger bevorzugt würden, die bisher die Überschüsse mitverantwortet haben.

Die AREV spricht sich folglich dafür aus, dass die vorgesehenen Mittel für die freiwilligen Rodungen bis zu einer Obergrenze von 30 % des Budget in den nationalen Finanzrahmen eingestellt werden und den Mitgliedstaaten und vor allem den Weinbauregionen die Möglichkeit eingeräumt wird, zur Vermeidung von Brachflächen mitten in den Weinbaugebieten ein Rodungsmanagement durchzuführen.

Absatzförderung

Die Werbe- und Informationskampagnen sind in den Drittländern richtig, müssen aber auch verstärkt auf den wichtigsten Markt gerichtet werden, nämlich auf den Binnenmarkt der EU. Dazu gehört auch die Aufklärungsarbeit über die Vorteile eines gemäßigten und regelmäßigen Wein-Konsums für die Gesundheit.

Önologische Praktiken

Die regionale Vielfalt der Qualität, der Rebsorten und der traditionellen, heute zugelassenen Weinbereitungsverfahren muss respektiert werden. Diese Unterschiedlichkeit ist für sich ein wesentlicher Qualitätsfaktor und integraler Bestandteil der europäischen Weintradition.

Eine Anlehnung an das OIV bei der Zulassung neuer önologischer Praktiken erachtet die AREV als sinnvoll, zumal die meisten Mitgliedstaaten der EU auch Mitglied des OIV sind und damit in die Einstimmigkeit erfordernde Entscheidungsfindung dort eingebunden sind.

Abschaffung des Regimes der Pflanzungsrechte

Die AREV widersetzt sich kategorisch der Liberalisierung der Pflanzungsrechte sowohl für die Qualitätsweine als auch für die Tafelweine. Diese würde unausweichlich zur Verdrängung und Eliminierung der kleinen und mittleren Betriebe sowie zu einer Verlagerung der traditionellen Weinlandschaften ins Flachland führen. Damit verbunden wäre ein nicht wieder gut zu machender Identitätsverlust für viele Regionen in Europa.

Das System der Pflanzrechte hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als wertvolles Instrument der Qualitätspolitik und zur Steuerung des Produktionspotentials in der EU erwiesen.

Die AREV bleibt auf dem Standpunkt, dass die geeigneteste Gebietskörperschaft für die Steuerung der Pflanzungsrechte die Region ist, und verlangt daher, dass diese Kompetenz den regionalen Exekutiven übertragen wird.

Übertragung von Budgetmitteln an die Entwicklung des ländlichen Raumes

Die Umsetzung von effizienten Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sowie von Absatzförderungs- und Informationskampagnen über den europäischen Wein erfordert die Beibehaltung aller aktuellen Finanzmittel in der ersten Säule, wobei innerhalb der ersten Säule spezifische Entwicklungsprogramme für den Weinbau vorgesehen werden können.

Ferner könnte die für die Projekte der zweiten Säule erforderliche Kofinanzierung von zahlreichen Regionen nicht aufgebracht werden.

Änderung des Systems der Klassifizierung der Weine

Die AREV hat immer den weltweiten Schutz der europäischen Ursprungsbezeichnungen gefordert. Nach dem Kommissionsvorschlag würde für die Anerkennung und Registrierung der Ursprungsbezeichnungen und geographischen Angaben ein kostspieliger administrativer Aufwand für die Weinproduzenten entstehen.

Die Verflachung der Differenzierung bei der Klassifizierung in Tafelweine und Qualitätsweine lehnt die AREV strikt ab. Die bestehende Regelung erlaubt es den Verbrauchern, leicht zwischen Qualitäts- und Tafelweinen zu unterscheiden. Die vorgeschlagene Neuregelung wäre daher auch zum Nachteil der Verbraucher.

Änderung der Etikettierungsregeln

Unter dem Vorwand der Vereinfachung werden die spezifischen Weinbezeichnungsregeln aufgegeben zugunsten der horizontalen Bestimmungen der Lebensmittelkennzeichnungsrichtlinie (2000/13/EG), der Loskennungsrichtlinie (74/106/EWG) sowie der Richtlinie zur Angleichung der Marken-Rechtsvorschriften der Mitgliedsländer (89/104/EG). Dies lehnt die AREV ab. Sie verweist darauf, dass die Bezeichnungsregeln erst vor kurzem nach jahrelangen Beratungen neu gefasst worden sind. Die AREV schlägt daher vor, dass die EU-Kommission nicht vor dem Jahr 2013 eine Überprüfung des geltenden Weinbezeichnungsrechtes vorsieht.

Das bestehende Bezeichnungsrecht, das weniger Angaben obligatorischer als fakultativer Natur aufweist, muss spezifisch für den Wein bleiben. Es ist nach Auffassung der AREV kein Hindernis für eine klare, einfache und wahrheitsgetreue Etikettierung im Sinne des Verbrauchers.

Übertragung von Kompetenzen des Rates an die Kommission

In Anbetracht der Tatsache, dass die Umsetzung der Normen, die sich aus der Reform ergeben, politische Implikationen und soziale Auswirkungen auf weite Teile der Union haben, ist die AREV gegen jede Kompetenzübertragung vom Rat an die Kommission.

Verabschiedung der Resolution am 4. September 2007 in Alba Iulia / Alba / Rumänien